Der Future Society Hackathon ist seit einigen Jahren ein Höhepunkt in der Lehre im Institut Informatik. Das Konzept wurde ursprünglich entworfen von Prof. Dr. Sabrina Eimler und Prof. Dr. Carolin Straßmann (Future Proof: Hackathons as Occasions to Experience Entrepreneurial Thinking). Trendthemen wie Diversity, KI, Soziale Robotik, Extended Reality, Twin Transition u. v. m. werden auf innovative Weise vermittelt, Sustainable Development Goals werden reflektiert und Entrepreneurial Thinking aktiv trainiert. Digitalisierung soll neu gedacht werden, Probleme unter Berücksichtigung der Gedanken des Positive Computing gelöst werden.
Prof. Dr. Sabrina Eimler, Lukas Erle, und Ramón Imort unterstützt durch André Helgert, Gian Dossena, David Rohrschneider, Jonas Stehr, Dr. Nermeen Abou Baker, Paul Szabó-Müller und Prof. Dr. Uwe Handmann gestalten gemeinsam die Lehrveranstaltung und den 2-tägigen Hackathon am Ende der Veranstaltung.
Mitte Mai 2026 bearbeiteten 39 Studierende in acht Teams eine von zwei Challenges: Circular City Companions (Begleiter für zirkuläre Städte) und Resilient Neighborhood Systems (Systeme für resiliente Nachbarschaften). Ihre Lösungen trugen sie in einem kurzen Pitch vor. In diesem Jahr war dem Team wichtig, die Challenges aktiv mit den Herausforderungen und Themen im Transferhub Digitalisierung & Circular Economy zu verbinden und zu zeigen, wie Zukunftstechnologien gesellschaftlichen Nutzen insbesondere im Bereich der Twin Transition stiften können. Vier der Teams konzentrierten sich auf Lösungen, die die Kernfelder Soziale Robotik, KI und Nachhaltigkeit und/oder XR miteinander verbinden.
Begleiter für zirkuläre Städte
In der ersten Challenge „Circular City Companions“ ging es um die Entwicklung von Konzepten für robotische Systeme im öffentlichen Raum, die die Umsetzung der Circular-Economy-Vision durch konkrete Services fördern.
RepairBus feat Cr4fty
Dieses Konzept verbindet ein mobiles Repaircafé mit der Unterstützung eines sozialen Roboters. Im Bus können Bürger:innen ihre defekten Geräte selbstständig mit Reparaturanleitungen auf einem PC reparieren. Der soziale Tischroboter Cr4fty kann über eine eigene Kamera und über eine zusätzliche in Vogelperspektive die Reparatur überblicken und nach Bedarf assistieren. In Kombination mit dem digitalen Produktpass können wichtige Informationen zur Reparatur abgerufen werden. Mit diesem Angebot werden wichtige Kompetenzen für ein nachhaltiges Leben geschaffen
Im Transferhub können wir mit unseren Demonstratoren zeigen, dass KI-gestützte Roboter, soziale Roboter als Assistenzsysteme und Digitale Produktpässe praxisnah umsetzbar sind.
FoodLoop: Der soziale Circular-Food-Companion
Dieses Konzept verbindet Menschen durch nachhaltiges Foodsharing und fördert damit das Teilen von Lebensmitteln und den Gemeinschaftsgedanken. Auf der Plattform können Bürger:innen nicht genutzte Lebensmittel posten und somit anderen ermöglichen, diese abzuholen. Auf diese Weise werden Lebensmittel nicht verschwendet und Menschen kommen miteinander in Kontakt. Eine KI unterstützt die Nutzung zum Beispiel bei Fragen zur Haltbarkeit, Rezepten oder dem Finden passender Angebote für ein Rezept. Die App soll durch Mehrsprachigkeit, große Buttons und einfache Sprache möglichst barrierefrei sein. Ergänzend zur App können physische FoodLoop-Hubs in Bibliotheken, Bürgerzentren, Universitäten oder öffentlichen Community-Hubs die Erreichbarkeit des Angebots verstärken.
BinBot: Der All-in-One-Assistent für eine nachhaltige Zukunft
Dieses Konzept unterstützt Menschen dabei, Ressourcen zu sparen, indem der Lebenszyklus von Produkten mit Hilfe eines KI-gestützten Roboters verlängert wird. Nutzer*innen legen Objekte in den BinBot, der diese mithilfe einer Kamera und KI-basierter Objekterkennung identifiziert. Anschließend analysiert das System die Materialien sowie den Zustand eines Gegenstands. Bei Bedarf stellt BinBot Rückfragen und unterstützt so aktiv bei der Entscheidungsfindung. Defekte Gegenstände werden korrekt entsorgt, reparierbare Produkte werden an passende Repair-Angebote weitergeleitet, und funktionstüchtige Dinge können für Spenden oder Second-Hand-Nutzung empfohlen werden. BinBot schafft Transparenz darüber, was mit entsorgten Produkten geschieht, fördert Reparatur statt Wegwerfen und trägt dazu bei, Ressourcen länger im Kreislauf zu halten.
GreenFlow: Nachhaltig, barrierearm, nutzerfreundlich und motivierend
Dieses Konzept reduziert das Entscheidungschaos von Menschen im Alltag durch eine KI-gestützte App. Beim Aussortieren im Haushalt kommen viele unterschiedliche Produkte und Gegenstände zusammen, welche unterschiedliche Abgabestellen benötigen. Diese sind über die Stadt verteilt und erfordern Planung. Das kann überfordern, sodass Produkte stattdessen in der Restmülltonne landen. Die App GreenFlow unterstützt dabei mit Aktionsplänen. Auf Basis von Eingaben wie „Kleidung spenden“, „Pfand abgeben“ oder „Handy reparieren“ erstellt sie KI-gestützt eine Route durch die Stadt, die auch nachhaltige Verkehrsmittel wie den ÖPNV einbezieht. Pro Station werden Punkte gesammelt. Dieses Belohnungssystem stärkt die Motivation der Nutzenden und fördert, dass sie nicht den einfachsten, sondern den nachhaltigsten Weg wählen.
Resiliente Nachbarschaftssysteme
In der zweiten Challenge „Resilient Neighborhood Systems“ ging es vor allem darum, konkrete, niedrigschwellige Services zu entwickeln, die vor, während und nach Ereignissen wie Hitzewellen, Starkregen/Überflutungen, Strom-/Netzausfällen, Desinformation, sozialer Isolation, Versorgungsengpässen oder psychischer Überlastung die Bürger:innen unterstützen.
Digitale Dynamik: Senior*innen Sport näher bringen
Dieses Konzept verringert die Vereinsamung von Senioren und fördert ihre körperliche Bewegung durch soziale Robotik. Der soziale Roboter DiDy steht als Terminal für Sportangebote an vielen öffentlichen Orten wie Parks, Stadtzentren oder auch in Altenheimen. Er hat Zugriff auf Kurse von Expert*innen, die alle Fitnesslevel bedienen und körperliche Beeinträchtigungen berücksichtigen, sodass auch individuelles Training möglich wird. Über Sprachsteuerung, wahlweise über Tastatur, findet er für den jeweiligen Senioren, die jeweilige Seniorin das passende Angebot. Durch eine Mitgliedschaftskarte können wiederholte Anmeldungen und weitere Prozesse, die Technostress verursachen können, reduziert werden. Gebuchte Kurse mit allen wichtigen Informationen werden zum Schluss für die Person ausgedruckt.
SafeSignal: Kein Mensch in der Krise ist unsichtbar.
Dieses Konzept verfolgt das Prinzip, dass Hilfe in Krisen für alle auch ohne digitale Komponenten zugänglich sein muss. In Krisen, wie etwa Hitzewellen oder Stromausfällen, erreichen bisherige Notfallsysteme nicht alle Menschen, da sie Smartphone, Internet, Akku und Sprachkenntnisse voraussetzen. Zusätzliche Hürden wie Kontrollverlust, Informationsüberflutung, soziale Isolation, Hilflosigkeit und Unsichtbarkeit verschärfen die Problematik. Besonders ältere Menschen, Frauen, Geflüchtete und queere Menschen sind häufiger von Krisen wie Unsicherheit, Isolation und Diskriminierung innerhalb einer Krise betroffen. SafeSignal hilft unabhängig von Alter, Geschlechtsidentität oder Sprachkenntnissen: Der wetterfeste Resilience-Badge an teilnehmenden Gebäuden wie Schulen, Apotheken oder Nachbarschaftszentren, zeigt, je nach Symbol, welche Hilfe und Ressourcen vorhanden sind – ein Wassertropfen steht für Wasserversorgung, eine Schneeflocke für kühle Orte oder ein Safe-Space-Symbol für zertifiziert sichere Orte für alle Geschlechtsidentitäten. Dieser Badge kann helfen, ohne, dass eine App oder Internet benötigt wird. Ein QR-Code kann zusätzlich auf Webseiten der jeweiligen Einrichtung führen, um weitere Informationen zu Hilfsangeboten in verschiedenen Sprachen bereitzustellen.
Flut & Flamme: Gemeinsam. Verbunden. Sicher.
Dieses Konzept überführt ein Warnsystem in eine KI-gestützte App, die Menschen bei Krisen ins richtige Handeln bringt. Unwissenheit, wie man sich in Krisensituationen verhalten soll, führt zu Unsicherheit, Stress und psychischer Belastung. Aktuelle Warnsysteme sind zu allgemein, um dabei zu unterstützen. Flut & Flamme ist ein digitales und öffentlich zugängliches Krisenassistenzsystem, das Menschen personalisiert und handlungsorientiert begleitet. Die App hat neben dem Warnsystem KI-Empfehlungen für nächste Schritte, eine integrierte Karte mit Navigation zu sicheren Orten, die Möglichkeiten, Notfälle zu melden, einen Nachbarschaftschat und die Möglichkeit, ein Profil für personalisierte Unterstützung anzulegen. Die KI funktioniert auf Basis der bestehenden Infrastruktur (siehe MoWaS – MoWaS – BBK) und übersetzt Warnungen in konkrete Schritte, begleitet von Risikoanalysen. Die Navigation wird durch AR in Form von visueller Wegführung auf dem Smartphone in der realen Umgebung unterstützt. Der Nachbarschaftschat vernetzt Menschen in näherer Umgebung und ermöglicht die Organisation von gegenseitiger Hilfe. Zusätzlich gibt es öffentliche Terminals an Bahnhöfen und in öffentlichen Gebäuden, die Hilfe unabhängig vom Smartphone zugänglich machen und eine direkte Verbindung mit Expert*innen herstellen.
safesight: Sicher. Sichtbar. SafeSight.
Dieses Konzept unterstützt Gehörlose im Alltag in Gefahrensituationen durch eine AR-Brille. Da Warnsignale meist in Form akustischer Signale wie Sirenen oder Hupen auftreten, haben Gehörlose Schwierigkeiten, diese wahrzunehmen. Die KI-gestützte Smart-Brille SafeSight erkennt relevante Umgebungsgeräusche und übersetzt sie in visuelle Warnungen im Sichtfeld. Die KI klassifiziert die Geräusche und stellt sie in entsprechender Symbolik dar. Die Hinweise erscheinen am äußeren Rand des Sichtfelds und werden durch Farbkodierung nach Gefahrenlage differenziert (Rot = akute Gefahr, Orange = erhöhte Gefahr, Gelb = Aufmerksamkeit, Grün = Umgebungsgeräusche). Bei akuter Gefahr oder erhöhter Vorsicht kommen zusätzlich Blinken und Vibration zum Einsatz. Fokus-Modi unterstützen verschiedene Situationen, etwa ein Safety-Mode für den Straßenverkehr und ein Social-Mode für Geräusche in sozialen Interaktionen wie Lachen oder Applaus. Anpassbare Profile ermöglichen eine Individualisierung, beispielsweise durch einen Farbblindmodus. Die Brille trägt mit der Verbindung von KI und AR zu mehr Sicherheit und Selbstständigkeit von Gehörlosen bei.
Innovation trifft Verantwortung
Diese Beispiele des Future Society Hackathon 2026 zeigen eindrucksvoll, wie Studierende mit technischem Wissen, Kreativität und gesellschaftlichem Engagement an Lösungen für eine nachhaltige und gerechte Zukunft arbeiten. Ihre Ideen können der Startpunkt für neue Projekte und Unternehmen in einer Circular Economy sein. Unser Transferhub Digitalisierung und Circular Economy bietet den nötigen Freiraum für Forscher*innen und Studierende, neue Ideen für eine sozial gerechte Circular Economy zu entwickeln.
Sie haben selbst ein paar Ideen wie diese und möchten mit unseren Expert*innen über eine mögliche Umsetzung sprechen? Melden Sie sich gerne über unser Kontaktformular.
Die Informationen zu den entwickelten Konzepten stammen aus einer Aufzeichnung der Vorträge der Studierenden und wurden für diesen Beitrag gekürzt zusammengefasst.

