KI für eine nachhaltige Zukunft – das #CEresearchNRW-Barcamp 2026

Am 17. September 2026 war es so weit: Das #CEresearchNRW-Barcamp ging in die zweite Runde. Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr (Link zum Barcamp 2025) brachte auch die diesjährige Veranstaltung wieder Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Praxis zusammen.
Mit dabei war erneut das Team des Transferhubs Digitalisierung und Circular Economy. Dieses Jahr drehte sich das gesamte Barcamp um eine spezielle Frage: Wie können Künstliche Intelligenz und Circular Economy zusammengedacht und gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft genutzt werden? In diesem Jahr fand das Barcamp im Rahmen der KI-Biennale Ruhr 2026 (ki-biennale.de) statt. Sie verfolgt das Ziel, das Ruhrgebiet als vernetzten KI-Campus weiterzuentwickeln. Da durfte die Hochschule Ruhr West am Campus Bottrop nicht fehlen.
Denn in Bottrop treffen KI-Expertise und Know-how rund um die Circular Economy aufeinander. Dieses Wissen bringen wir in unsere Projekte und Aktivitäten ein und leisten damit unseren Beitrag zur Twin Transition: der digitalen und ökologischen Transformation.
Austausch und Netzwerk: Der Markt der Möglichkeiten
Das Publikum des Barcamps war so vielfältig wie die Themen selbst: KI-Expert*innen, Fachleute aus der Circular Economy und Menschen, die bereits Erfahrungen an der Schnittstelle beider Bereiche gesammelt haben, kamen zusammen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Ideen zu entwickeln.
Den Auftakt bildete der Markt der Möglichkeiten, der wieder vom Team des Transferhubs organisiert wurde. Hier konnten die Besucher*innen nicht nur miteinander ins Gespräch kommen, sondern auch verschiedene Technologien und Anwendungsbeispiele kennenlernen. So zeigten unter anderem Roboter, wie sie zirkuläre Prozesse, beispielsweise die Arbeit in einem Repaircafé, unterstützen können. An anderer Stelle wurde deutlich, wie KI-gestützte Bilderkennung Unternehmen beim Qualitätsmanagement unterstützen kann. Auch Technologien und Standards wie Blockchain, GS1-Standards und openEPCIS wurden mit Blick auf ihre Rolle bei der Umsetzung eines Digitalen Produktpasses (DPP) vorgestellt und diskutiert.
Darüber hinaus richtete sich der Blick über technologische Lösungen hinaus: Welche Rolle spielen zivilgesellschaftliche Akteure und Nichtregierungsorganisationen bei der Gestaltung und beim Einsatz von KI? Und wie können unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht werden, damit technologische Entwicklungen tatsächlich einen Beitrag zu einer nachhaltigen und zirkulären Wirtschaft leisten?






KI als Werkzeug für die Circular Economy – die Sessions 2026
Nach dem offenen Austausch und Netzwerken standen anschließend die Fragen und Ideen der Teilnehmer*innen im Mittelpunkt. Paul Szabó-Müller (HRW) und Anna-Katharina Jung (Prosperkolleg e.V.) führten in das Thema des Tages ein und moderierten die gemeinsame Wahl der Sessions. Begleitet wurde der Auftakt durch ein Grußwort von Prof. Uwe Handmann, Dekan des Instituts Informatik und Vorsitzender des Prosperkolleg e. V.
Wie bei einem Barcamp üblich, wurden die Themen nicht im Vorfeld festgelegt: Die Teilnehmer*innen brachten ihre eigenen Fragen, Ideen und Perspektiven ein. Aus den zahlreichen Vorschlägen kristallisierten sich fünf Themen heraus, die anschließend gemeinsam diskutiert wurden:
- Wie können KI und Circular Economy kombiniert werden? – Eine Einführung
- Minecraft und der DPP – wie passt das zusammen?
- Vertrauenswürdige Produktdaten – welche Rolle kann KI hier spielen?
- KI und der DPP – wie kann der Digitale Produktpass für Konsument*innen durch KI greifbarer werden?
- Kollektive Intelligenz – wie kann sie helfen, KI sinnvoll für alle zu gestalten?
Die Themen zeigen, wie breit das Spannungsfeld zwischen KI und Circular Economy ist: von konkreten technologischen Anwendungen über Daten und den Digitalen Produktpass bis hin zu Fragen gesellschaftlicher Teilhabe.

Session 1: KI und Circular Economy kombinieren
Wie kann Künstliche Intelligenz (KI) die Circular Economy voranbringen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Session „Einführung in KI und Circular Economy“, die von Paul Szabó-Müller und David Rohrschneider (beide HRW) geleitet wurde. Dabei wurde deutlich: KI bietet entlang des gesamten Produktlebenszyklus vielfältige Möglichkeiten: von Design und Produktion über Logistik und Nutzung bis hin zu Rückführung und Recycling.KI kann beispielsweise Wissen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenführen, Prozesse und Lieferketten optimieren, Ressourcen gezielter planen und Materialien am Ende ihrer Nutzung erkennen und sortieren. Auch beim Konsum kann KI dabei helfen, Bewusstsein zu schaffen, Abläufe zu vereinfachen und nachhaltigeres Verhalten zu unterstützen.
Doch KI ist kein Selbstläufer. Bevor sie sinnvoll eingesetzt werden kann, braucht es zunächst eine gute digitale Grundlage: Prozesse müssen digital erfasst und Daten verfügbar und nutzbar sein. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich nicht jeder Prozess automatisch mit KI effizienter oder kostengünstiger gestalten lässt. Entscheidend ist daher, genau hinzuschauen: Wo kann KI einen echten Mehrwert schaffen und wo sind andere digitale Lösungen die bessere Wahl?
Die zentrale Erkenntnis der Session: KI kann in allen Phasen der Circular Economy unterstützen. Ihr Potenzial entfaltet sie vor allem dort, wo digitale Strukturen, Daten, Wissen und Prozesse über die einzelnen Lebenszyklusphasen hinweg zusammenspielen.

Session 2: Minecraft und der DPP – wie passt das zusammen?
Wie lassen sich komplexe Produktinformationen und Lieferketten anschaulich darstellen? Die Session „Minecraft und der DPP – wie passt das zusammen?“, geleitet von Sven Böckelmann, benelog GmbH & Co. KG, zeigte, dass selbst ein Digitaler Produktpass (DPP) mit einem Computerspiel greifbar werden kann.
In einer Minecraft-Welt wurden verschiedene Stationen eines Produkts spielerisch dokumentiert: vom Abbau eines Rohstoffs über den Verkauf bis hin zum Transport. Was im Spiel wie eine einfache Aktion aussieht, kann dabei als Information über den Weg eines Produkts festgehalten und später weiterverarbeitet werden. So wurde anschaulich, wie sich einzelne Schritte einer Wertschöpfungskette nachvollziehbar dokumentieren lassen.
Dabei ging es auch um eine zentrale Frage des DPP: Muss wirklich jede Information für alle sichtbar sein? Die Antwort der Session war klar: nein. Nicht jedes Detail muss öffentlich zugänglich sein. Bestimmte Informationen können vertraulich bleiben, während relevante Angaben, etwa zu Inhaltsstoffen, Prüfungen oder Reparaturen, über den Produktlebenszyklus hinweg verfügbar bleiben. So lassen sich Transparenz und der Schutz von Unternehmenswissen miteinander verbinden.
Wie komplex das werden kann, zeigte das Beispiel eines E-Bikes. Nicht nur das Fahrrad selbst, sondern auch einzelne Komponenten wie die Batterie bringen eigene Informationen und Stationen im Lebenszyklus mit sich. Reparaturen, Transporte oder andere Veränderungen können dabei Schritt für Schritt dokumentiert werden. Das schafft die Möglichkeit, Informationen gezielt zu ergänzen und genau dort bereitzustellen, wo sie gebraucht werden. Gleichzeitig wurde deutlich: Der Weg zum DPP muss nicht mit einer perfekten Gesamtlösung beginnen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen können die notwendigen Strukturen eine Herausforderung darstellen. Ein pragmatischer Ansatz kann daher sein, zunächst mit den wichtigsten Informationen und Prozessen zu starten und die Dokumentation Schritt für Schritt auszubauen.
Die Minecraft-Welt machte damit eine komplexe Frage überraschend greifbar: Ein DPP muss nicht bedeuten, alles über ein Produkt auf einmal sichtbar zu machen. Vielmehr geht es darum, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit verfügbar zu machen.

Session 3: Vertrauenswürdige Produktdaten – welche Rolle kann KI hier spielen?
Kann man den Daten eines Digitalen Produktpasses vertrauen? Genau dieser Frage widmete sich die von Sven Böckelmann, benelog GmbH & Co. KG, moderierte Session „KI und vertrauenswürdige Daten für den DPP“. Denn damit der DPP funktioniert, müssen Produktdaten nicht nur verfügbar, sondern auch zuverlässig und eindeutig zuordenbar sein. Gerade im globalen Markt ist das eine Herausforderung: Unterschiedliche Akteure, Regeln und Datenquellen treffen aufeinander und nicht alle Informationen sind frei zugänglich. KI könnte künftig dabei helfen, Wissen aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen und Informationen auf Auffälligkeiten oder ihre Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. Doch auch KI ist nicht unfehlbar: Veränderte oder KI-generierte Inhalte können Fehler enthalten, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.
Umso wichtiger sind gemeinsame Standards und klare Regeln dafür, welchen Daten und Quellen vertraut werden kann. Auch die Forschung kann dabei Impulse geben und unterschiedliche Akteure zusammenbringen. Am Ende bleibt eine entscheidende Frage: Wie schaffen wir eine Dateninfrastruktur, der Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen vertrauen können? Dafür müssen insbesondere auch große Marktakteure mit ins Boot geholt werden.

Session 4: KI und der Digitale Produktpass
In der Session „KI und DPP“, geleitet von David Rohrschneider von der HRW, ging es um die Frage, wie der Digitale Produktpass (DPP) und KI zusammenspielen können. Der DPP bündelt Informationen über ein Produkt – etwa zu Materialien, Nutzung und Recycling – und macht sie beispielsweise über einen QR-Code zugänglich. So kann er für mehr Transparenz sorgen und Greenwashing erschweren.
Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Perspektive der Konsumentinnen und Konsumenten: Wie kann KI die vielen Informationen des DPP verständlich und im richtigen Moment nutzbar machen? Am Beispiel eines Möbelstücks wurde diskutiert, welche Informationen vor dem Kauf, während der Nutzung und am Lebensende hilfreich sein können – und wie diese über KI vermittelt werden könnten. Vor dem Kauf könnte sie etwa bei der Auswahl eines langlebigen Produkts unterstützen. Während der Nutzung könnten Hinweise zu Pflege, Reparatur oder passenden Ersatzteilen helfen. Und am Lebensende könnte die KI zeigen, welche Möglichkeiten es für Weiterverkauf, Wiederverwendung oder Recycling gibt. Die Session machte deutlich: Der DPP liefert die Informationen, KI kann daraus konkrete und verständliche Handlungsmöglichkeiten für Verbraucherinnen und Verbraucher machen.

Session 5: Kollektive Intelligenz – wie kann sie helfen, den Einsatz von KI sinnvoll für alle zu gestalten?
Wie können wir das Wissen und die Erfahrungen vieler Menschen besser zusammenbringen und welche Rolle kann Künstliche Intelligenz (KI) dabei spielen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die von Peter Flesch, Gesellschaft für Wissensmanagement e.V., geleitete Session „Kollektive Intelligenz“.
Gerade bei komplexen Herausforderungen in Smart und Circular Cities braucht es das Wissen verschiedener Akteure: Kommunen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger sowie Wissenschaft müssen zusammenarbeiten. Formate wie Trialoge, Repair Cafés oder Citizen Science können dabei helfen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Entscheidend sind dabei Vertrauen, Vernetzung und echte Beteiligung.
KI kann diesen Prozess unterstützen, aber nicht ersetzen. Gerade bei komplexen Problemen ohne einfache Lösung kann sie dabei helfen, Wissen zu strukturieren, Zusammenhänge sichtbar zu machen und Ideen miteinander zu verknüpfen. An Beispielen wie der KI-gestützten Bewässerung von Stadtbäumen oder dem Right to Repair wurde diskutiert, wie technologische Lösungen mit den Bedürfnissen der Menschen verbunden werden können. Dabei wurde auch die soziale Dimension der Transformation deutlich: Digitalisierung und Nachhaltigkeit funktionieren nicht losgelöst von gesellschaftlicher Beteiligung. Bildung, Dialog und Mitgestaltung sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche „Triple Transition“.
Die zentrale Erkenntnis: KI kann vorhandenes Wissen besser nutzbar machen: die Impulse, Bedürfnisse und Entscheidungen kommen aber von den Menschen. Dafür braucht es Räume für Austausch, Vertrauen und auch eine konstruktive Streitkultur.

Austausch auf Augenhöhe
In den Sessions wurde auf Augenhöhe diskutiert: mal mit großer technischer Tiefe, mal mit grundsätzlichen und auch ethischen Fragen im Hintergrund. Dabei ging es immer wieder um die Frage, wie Umwelt, Technologie und Gesellschaft zusammenspielen können, um eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten. Genau dieser Perspektivwechsel machte den besonderen Charakter des Barcamps aus: Nicht nur Expert*innen kamen zu Wort. Unterschiedliche Erfahrungen, Wissensstände und Sichtweisen trafen aufeinander und konnten gemeinsam weitergedacht werden. Das Feedback der Teilnehmer*innen zeigte: Viele nahmen neue Impulse und spannende Ideen mit nach Hause, ebenso wie neue Kontakte und bereits bestehende Netzwerke, die weiter vertieft werden konnten.
Damit wurde auch das Ziel des 2. #CEresearchNRW-Barcamps erreicht: erneut einen Ort für Austausch, Vernetzung und Co-Kreation zu schaffen, an dem gemeinsam und auf Augenhöhe Ideen für das Gelingen einer Circular Economy entwickelt und diskutiert werden.
Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

Das Barcamp „KI für eine nachhaltige Zukunft“ wurde durch die Projekte Circular Performer Emscher-Lippe, Transferhub Digitalisierung & Circular Economy und #dzr | digital.zirkulär.ruhr organisiert. Alle drei Projekte werden durch die Förderlinie EFRE/JTF NRW gefördert.
Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmerinnen, Impulsgeberinnen und Mitwirkenden, die den Tag mit ihren Fragen, Ideen und Perspektiven gestaltet haben!
Wir freuen uns auf den weiteren Austausch – und auf die nächste Runde des #CEresearchNRW-Barcamps!
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